30. Juli 2017

Der Herr sorgt für uns!

Passage: Johannes 6,30-35

Liebe Schwestern und Brüder, liebe Gemeinde!

 

heute geht es nicht um die Wurscht, sondern ums Brot. Sie haben es vielleicht schon gemerkt, an den Liedern und auch bei der Lesung. Und weil der 7. Sonntag nach Trinitatis einer der beiden sogenannten „Sakramentssonntage“ ist, feiern wir heute auch außertourlich Abendmahl.

 

Ach ja die Lesung. Wir haben da von der Speisung der 4.000 gehört. Eine Stelle, die es nur im Mk und Mt, nicht jedoch in Lk und Joh gibt. Das andere Speisungswunder, nämlich das der 5.000 ist weit bekannter und man könnte meinen, unsere heutige Lesung aus Mk wäre eine Dublette. Doch das ist sie nicht. Sie ist theologisch sogar hochrelevant und daher habe ich auch diese und nicht die der 5.000 ausgewählt. Denn während Jesus bei den 5.000 alleine zu Juden spricht und diese speist, ist es bei der Speisung der 4.000 das erste Mal, dass sich Jesus auch an Nichtjuden wendet. Man sagt theologisch oft auch, das Wirken Jesu bei den Juden endete mit den 5.000 und das bei den Heiden begann mit den 4.000. So gesehen hat es für uns Nicht-Juden sogar einen höheren Stellenwert.

 

Und um Brot geht es auch in unserem heutigen Text, der der Predigt zugrunde liegt. Wir finden ihn in Joh 6,30-35:

30 Da sprachen sie zu ihm: Was tust du für ein Zeichen, damit wir sehen und dir glauben? Was für ein Werk tust du? 31 Unsre Väter haben in der Wüste das Manna gegessen, wie geschrieben steht (Psalm 79,24): «Er gab ihnen Brot vom Himmel zu essen.»

32 Da sprach Jesus zu ihnen: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Nicht Mose hat euch das Brot vom Himmel gegeben, sondern mein Vater gibt euch das wahre Brot vom Himmel. 33 Denn Gottes Brot ist das, das vom Himmel kommt und gibt der Welt das Leben. 34 Da sprachen sie zu ihm: Herr, gib uns allezeit solches Brot. 35 Jesus aber sprach zu ihnen:Ich bin das Brot des Lebens. Wer zu mir kommt, den wird nicht hungern; und wer an mich glaubt, den wird nimmermehr dürsten.

Herr, gib uns ein Herz für Dein Wort, lass es in dieses Eingang finden und unser Denken und Handeln bestimmen. Amen.

 

Es geht um’s Brot. Jesus ist das Brot des Lebens sagt er uns in Vers 35 zu. Dies ist eine große Zusage, die man leider durch die Wirklichkeit immer wieder als „überholt“ betrachten kann. Die Armut in der Welt ist groß, sie macht auch vor Christen nicht halt. Die Zusage, dass der, der zu IHM kommt, nicht hungern wird, wird durch eben diese Realität Lügen gestraft. Und doch: „Ich bin das Brot des Lebens“, sagt Jesus. Dieses Brot muss also mehr als das Materielle sein, das man damit meinen könnte. Und mit „Materiellem“ meine ich nicht Geld und Wohlstand, sondern ich meine es im ureigensten Sinne als alles, was Materie hat, also was man angreifen kann.

 

Es geht um’s Brot: Roggenbrot, Mischbrot, Dreikorn-, Eiweiß-, Schwarz-, Weiß- oder Toastbrot. Es gibt kaum ein Land auf der Welt, in dem es so viele verschiedene Brotsorten gibt. Brot ist zugleich Grundnahrungs- wie Genussmittel. In der Vielfalt der Brotsorten ist für jeden etwas dabei.

 

Und doch sind es nicht nur die abwechslungsreichen Rezepte, die dem Brot seine Bedeutung verleihen. Brot hat seit jeher einen hohen Symbolcharakter … auch und besonders im Teilen. So ist das Brot Namensgeber geworden für das Evangelische Hilfswerk „Brot für die Welt“: Ressourcen teilen und dafür Sorge tragen, dass alle genug zum (Über)Leben bekommen, im Wissen darum, dass die Gaben der Schöpfung für alle Menschen gleichermaßen reichen.

 

Auch Jesus macht sich den Symbolcharakter des Brotes in seiner Verkündigung zunutze. Ob bei der Speisung der 4.000, beim letzten gemeinsamen Mahl mit den Jüngern oder im Vaterunser. Das Brotbrechen wird geradezu zu seinem Erkennungszeichen. Und auch die erste Anweisung für einen christlichen Gottesdienst in Apg 2,42 stellt das Brotbrechen, also das Abendmahl, wie wir heute sagen, in den Mittelpunkt: „Sie blieben aber beständig in der Lehre der Apostel und in der Gemeinschaft und im Brotbrechen und im Gebet.

 

Es geht um’s Brot. Oder auch nicht? Hier im Joh begegnen wir den Unersättlichen, denen das Brotteilungswunder der 4.000 offenbar nicht gereicht hat. Auf wunderbare Weise satt geworden, laufen sie nun Jesus hinterher, wollen weitere Wunder, wollen mehr abhaben von dem, was Leben verspricht. Sie wollen also … mehr. Kennen wir das?

 

Denn diese Leute, die Jesus über den See gefolgt sind, stehen vor ihm und wollen weitere Wunder sehen. Damit sie glauben können! „I glaab nur, wos i siach und augreifen kau“. Wie oft haben auch gerade wir alle diese Aussage gehört? Gerade dann, wenn wir erzählen, dass wir in die Kirche gehen.

Diese Leute am See, das könnte auch unsere Gesellschaft sein, die Jesus da voller Hunger hinterherläuft?

Denke ich darüber nach, dann

  • habe ich den Hunger nach Reichtum und Gewinn vor Augen, der nicht nur die Autoindustrie zu Kartellen verführt.
  • Ich denke an den Hunger nach Macht, der selbst vor Korruption nicht zurückschreckt, oder vor falschen Versprechungen.
  • Ich denke auch an den Hunger nach Aufmerksamkeit und Anerkennung, getrieben von der Angst zu kurz zu kommen.

Mancher Hunger ist mir fremd, anderen Hunger kenne ich ganz gut. Ich stelle mir vor, solche und andere Hungrige waren es auch damals, die Jesus hinterherliefen, weil sie bei ihm noch etwas ganz anderes zu schmecken bekommen haben. Vielleicht haben sie entdeckt, dass hinter ihrem Hunger eine ganz andere Sehnsucht stecken könnte; und nun suchen sie nach dem, wasnährt. Oder nach dem, dernährt?

 

Kennen Sie den fait accompli? Das ist eine Bezeichnung für etwas Eingetroffenes. Man freut sich z.B. auf den Urlaub. Tritt er ein und ist man am Urlaubsort angekommen, fällt die freudige Erwartung weg; die Freude lässt nach. So ist es mit allem im Leben. Sei es ein neues Auto, eine neue Wohnung, eine neue Arbeitsstelle. Immer, wenn das Ersehnte dann eingetreten ist, der fait accompli also, stehen wir vor einer neuen Leere.

Der große Mathematiker, Physiker, Literat und Philosoph Blaise Pascal hat es im 17. Jh. treffend auf den Punkt gebracht: „Im Herzen eines jeden Menschen befindet sich ein von Gott geschaffenes Vakuum, das durch nichts Erschaffenes erfüllt werden kann als allein durch Gott, den Schöpfer, so wie Er sich in Christus offenbart.

Dieses Vakuum oder Loch im Herzen, es kann also durch nichts Erschaffenes gefüllt werden. Kein neues Auto, kein Urlaub, kein Erfolg im Spiel, in der Liebe, im Sex. Ja, es stimmt schon. Diese Dinge füllen es, aber sie zergehen wieder. … Fait accompli!

Es ist allein Gott, der dieses Vakuum füllen kann. Und ihr, die ihr immer hier seid, wir wisst das auch!

Und genau das ist meiner Meinung nach auch ein Hinweis darauf, dass wirklich jederMensch religiös ist. Auch der Atheist. Man sagt, es ist eine anthropologische Grundkonstante, also ein Wesensmerkmal des Menschen, dass er religiös ist. So wie man Musik zwar nicht spielen können muss, aber sie dennoch mag, so ist der Mensch religiös. Wie sich das äußert, hat viel mit Herkunft und Erziehung zu tun. Und wir Christen sind davon überzeugt, dass dieser Pfropfen, der das Loch, das Vakuum, im Herzen zuverlässig zu schließen vermag, niemand geringerer als Jesus Christus ist, der uns ja den Heiligen Geist genau dafür überlassen hat. Dieser Pfropfen hält. Bombenfest. Er stammt eben von einem Fachmann und nicht von einem Pfuscher. Oder, um in unserer heutigen Metapher zu bleiben: Wirklich satt im Leben macht uns nur … genau, das Brot des Lebens.

 

Es geht um’s Brot. Jesus, wie damals Mose, hat die Menschen etwas schmecken lassen vom Leben. Ein Brot, ein spezielles Brot. Bloß: was hat den Menschen wirklich geschmeckt? Worin besteht das „Rezept“?

Es ist nicht die Sachertorte, oder – im Rahmen einer Kirche sehr passend – die Kardialschnitte oder der Apfelstrudel. Zwischendurch sehr gerne, aber jeden Tag? … Es ist also nicht der Überfluss, sondern das Brot als schlichtes Grundnahrungsmittel; und jeder bekommt so viel, wie er zum Sattwerden braucht. Genau, wie damals jeder so viel Manna sammeln konnte wie er wollte und am Ende genau die Menge zum Sattwerden hatte. Das Rezept heißt nicht „immer mehr“, sondern „das, was du brauchst“.

Ja, was brauchen wir? Wirklich?

Was ist für uns das Brot, das satt macht, das Brot des Lebens?

Wenn wir dann gleich in Erinnerung an Jesus beim Abendmahl das Brot miteinander teilen, schmecken wir die Gemeinschaft mit Gott und miteinander, ebenso dürfen wir kosten, was Vergebung und neu anfangen dürfen heißt.

Liebe Gemeinde, wisst ihr, was das wirklich schöne für mich an den Speisungswundern Jesu ist? Es ist nicht das Sattwerden an sich. Für mich stehen diese Wunder für das Miteinander Teilen: wo wir unser Leben mit anderen teilen dürfen, wo wir Anteil geben aber auch nehmen dürfen, Freude und Leid teilen. Hilfe geben und Hilfe empfangen.

 

Und wenn ich Jesu Worte höre „Ich bin das Brot des Lebens. Wer zu mir kommt, den wird nicht hungern; und wer an mich glaubt, den wird nimmermehr dürsten.“, dann denke ich

  • an das, was ERgelebt hat,
  • an das, wie ERmit seinem Leben Gottes Botschaft, Gottes Wort bezeugt hat.

Und ich überlege:

  • Was ist für mich das Rezept für das „Brot des Lebens“?
  • Wovon lebe ich?
  • Wovon leben wir?

Meinen sie nun Geld? Klar. „Ohne Geld ka Musi“. Aber es ist nicht das Geld an sich – würde der Philosoph nun sagen –, sondern was ich mit dem Geld mache. Geld ist nicht schlecht, es darf nur nicht der Lebensinhalt werden. Es stopft nämlich das Loch im Herzen nicht. Glauben sie mir, ich weiß, wovon ich spreche.

Nein, meine Überlegungen gehen weiter.

Denn ich weiß gewiss: wir leben

  • von Liebe,
  • von Respekt und Wertschätzung,
  • von Akzeptanz und Toleranz,
  • von Fürsorge und Hilfsbereitschaft,
  • von gegenseitiger Unterstützung,
  • von Hoffnung –

kurzum: von all dem, was unseren Glauben an einen Gott, der Seine Schöpfung und Seine Geschöpfe liebt, ausmacht.

 

Denn, so sagt Jesus: das Brot, das satt macht, ist keine menschliche Gabe, nicht einmal von Mose oder von ihm, sondern eine Gabe Gottes. Gott sorgt für uns. Er gibt uns Nahrung, durch die Schriften, durch Jesus, auch durch unsere Mitmenschen. Mögen wir es herausschmecken, das Brot des Lebens gerade auch unter all den Torten, Kuchen und Schokoriegeln, die wir in unserer Gesellschaft im Überfluss angeboten bekommen.

 

Der Herr sorgt für uns. Er gibt uns das Brot und die Eigenschaften, die es braucht, um unser Loch im Herzen zu stopfen, damit wir das Salz der Erde werden und damit wir alle ein besseres Leben haben werden. Denn als Christen sind wir Empfänger dieses Brotes des Lebens, und damit auch in der Lage, die Lebensgrundlage weiterzugeben. Und welche ist das, diese Lebensgrundlage? Nun: Glaube, Hoffnung und Liebe; wovon die Liebe das Größte ist.

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