8. April 2018

Predigtreihe Vaterunser – „Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name …“

Passage: Matthäus 6,8, Lukas 11,2

Liebe Schwestern und Brüder, liebe Gemeinde,

wir starten heute mit der zweiten Predigtreihe dieses Jahres, der Reihe über das Vaterunser. In den kommenden Wochen wollen wir über das sogenannte Herrengebet nachdenken und widmen uns heute der ersten Zeile: „Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name“, wir finden diese Zeile in Mt 6,8 und in Lk 11,2. Im gottesdienstlichen Gebrauch wird heute auf die Version im Mt zurückgegriffen. Aufmerksame Leser werden einwenden, dass hier nicht „Vater unser …“ sondern „Unser Vater …“ steht. Das stimmt. Und letztere Variante ist auch die, die in der Kirche H.B. Verwendung findet. In lutherischer und katholischer Tradition hat sich aus sprachlichen Gründen die umgekehrte Version, nämlich das „Vater unser …“ durchgesetzt.

 

Doch kommen wir zu den heute im Mittelpunkt stehenden 8 Wörtern zurück. Dieses „Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name“ eröffnet insgesamt drei Aspekte:

  1. Wir beten zu unserem Vater
  2. dieser Vater lebt oder ist im Himmel
  3. der Name des Vaters ist geheiligt

 

Auf alle drei Aspekte einzugehen würde zu lange dauern, zumal wir den Aspekt mit dem Vater und dem Himmel bereits in der Predigt über das Glaubensbekenntnis behandelt haben. Ich konzertiere mich also auf den dritten Gesichtspunkt: die Heiligung des Namens.

 

Dieses Thema zerfällt wiederum in zwei Kategorien, über die es nachzudenken gilt:

  • Die Heiligung und
  • der Name

Heiligung … im griechischen Text findet man dazu das Wort ἁγιασθήτω, das von ἁγιάζω stammt und soviel wie aussondern für Gott bedeutet. Das hier in Mt und Lk anzutreffende Wort ist eine Passivform, und bedeutet also soviel wie „werde für Gott ausgesondert“; oder eben „werdegeheiligt“. Was aber soll geheiligt werden? Gott, klar, das sagt uns das erste Gebot, aber hier geht es um den Namen Gottes. Und wie lautet der? Moslems tun sich da leicht. Für sie hat Gott einen einfachen Namen: Allah. Doch für uns Christen?

 

Gott hat sich natürlich dem Mose gegenüber mit Namen vorgestellt. Wer tut das denn nicht, sich vorstellen, wenn man jemanden zum ersten Mal trifft? Doch das Problem dabei ist, dass die Israeliten das Gebot in 2Mo 20, 7 „Du sollst den Namen des HERRN, deines Gottes, nicht missbrauchen“ sehr ernst nahmen und daher den Namen Gottes nicht einmal auszusprechen wagten. Er steht zwar als Buchstaben in der hebräischen Bibel, aber beim Lesen sagen die Juden immer Adonai dazu. Das bedeutet „mein Herr“. Und als solches hat es dann auch Eingang in alle anderen Sprachen gefunden. Einfach gesagt: Immer, wenn wir in der Bibel HERR in Großbuchstaben lesen, müsste hier eigentlich der Name des Herrn hinkommen.

 

Es ist mir ehrlich nicht nachvollziehbar, warum das nicht gemacht wird, immerhin wird der Name Gottes alleine im AT 6.828 erwähnt! Kurzformen des Namens Gottes kommen auch in anderen Namen und Ausrufen vor, man erkennt das an JE und JA vor allem am Anfang oder Ende von Wörtern: Jesus bedeutet „Jahwe ist Rettung“, der Name des Propheten Elija bedeutet „Mein Gott ist Jahwe“, Jeremia bedeutet „Gott erhöht“, Jesaja „Jahwe ist Heil/Rettung“ und das JA in Halleluja meint „Lobt Jahwe“.

Verwendet man den Namen Gottes nicht, so verfestigt sich dieses unpersönliche HERR anstelle des Namens. Und es erscheint einem komisch, wenn man Jahwe statt HERR oder Gott sagt. Mir geht es jedenfalls so.

Jedoch, in einer Bibelübersetzung ist das konsequent nicht der Fall: In der Neue-Welt-Übersetzung, die die Zeugen Jehovas verwenden. Für sie ist klar, der Name unseres Herrgotts ist Jehova. Doch das ist leider falsch. Ich rate ihnen aber aus eigener Erfahrung: Machen sie diese Diskussion mit keinem Zeugen Jehovas auf.

 

Warum ist das falsch? Wie kann ich das behaupten? Nun, sehen wir uns einmal an, wie der Name Gottes in der hebräischen Bibel, also im AT geschrieben wird. Ich habe ihnen die beiden hebräischen Wörter auf dem Sonntagsgruß abgedruckt. Rechts finden Sie die Zeichen, die Jehova ergeben würden (יֵהֹוָה). Links davon die Zeichen, wie wir sie in der hebräischen Bibel – also im AT – lesen (יְהוָה). Jetzt mögen sie einwenden, dass beides gleich aussieht. Man muss dabei aber bedenken, dass das Hebräische eine sogenannte Konsonantenschrift ist. D.h. die Selbstlaute werden nicht als Buchstaben geschrieben, sondern mittels Punkten und Strichen über und unter den Mitlauten kenntlich gemacht. Und wenn Sie genau hinsehen, sehen Sie den Unterschied. Ich will sie nicht weiter damit langweilen. Aber es ist ersichtlich, es gibt einen Unterschied zwischen dem, was in der Bibel steht und wie Jehova geschrieben gehörte. Langer Rede, kurzer Sinn: Der Name unseres Gottes, der Name des HERRN ist nicht Jehova sondern Jahwe.

 

Letztlich hat jedes Ding auf dieser Welt einen Namen. Und erst recht Menschen und noch vielmehr gebührt Gott ein Name. Es ist daher etwas merkwürdig, wenn man zu Gott immer Gott sagt oder HERR. Also wenn man seine „Funktionsbezeichnung“ als Gott oder als Herr als seinen Namen verwendet. Stellen Sie sich vor, jemand fragt sie, wie ihr Vater heißt und sie geben zur Antwort: Vater. Ja, er ist ihr Vater. Aber Vater ist eben seine „Funktionsbezeichnung“ und nicht sein Name. Daher sollten wir bei der Bibellektüre immer achtsam sein, wie Herr geschrieben wird. Denn wenn es in Großbuchstaben geschrieben wird … sie wissen, dann wäre an dieser Stelle Jahwe zu lesen.

 

Wissenschaftlicher Humbug mögen sie jetzt sagen. Doch: Wir beten zumindest jeden Sonntag „geheiligt werde dein Name“. Und dann tun wir das nicht? Wie sollen wir den Namen heiligen, wenn wir nicht zumindest daran denken?

 

Namen sind Schall und Rauch sagt man immer. Doch das ist nicht so. Deutlich wird das in einem Märchen der Gebrüder Grimm. Nach dem Motto: Wenn ich deinen Namen kenne, habe ich Macht über dich! … Sie ahnen schon, welches Märchen ich meine. Wer kann es mir sagen? — Richtig, Rumpelstilzchen. Erst als die junge Königin und frisch gebackene Mutter den Namen dieses bösen Männleins, Rumpelstilzchen, herausgefunden hat, ist der Bann gebrochen. Namen sind eben doch mehr als Schall und Rauch. Es ist daher wichtig, den Namen des Herren zu kennen.

 

Nun, da wir die Heiligung und den Namen Gottes beleuchtet haben, stellt sich die Frage, wie diese beiden zusammen gehen. Wie also und warum Gottes Namen und damit Gott selbst heiligen?

Darauf gibt es zwei Antworten, eine klassische und eine aktuelle.

 

Die klassische Antwort ist, dass wir den Namen Gottes heiligen sollen, weil es uns in den 10 Geboten so geboten wird. Wir sollen also nicht fluchen. Wir sollen also nicht unbedarft von Gott sprechen. Wir sollen bewusst mit seinem Namen umgehen. Das bedeutet nichts anderes, als dass wir unsere Ehrfurcht ausdrücken sollen, wenn wir Gott anreden, denn er ist und bleibt unser Vater „im Himmel“. Aber dieses „du musst das tun weil es so sein muss“ ist wohl ein bisschen wenig, eine schwache Argumentation und vor allem nicht evangelisch.

 

Die zweite, die aktuelle Antwort lautet: Wir können Gottes Name heute heiligen, indem wir überhaupt wieder mehr über ihn sprechen. Und zwar in der Öffentlichkeit. Es ist nämlich ein großes Missverständnis und fast schon Teufels Zeug, wenn man immer wieder hört, dass Religion Privatsache sei. Ganz im Gegenteil: Religion ist in höchstem Maße öffentlich, denn Religion formt oder bringt erst die Kultur. Sie strukturiert den Jahreslauf. Wenn Religion wirklich nur Privatsache wäre, warum gibt es dann religiöse Feiertage und Feste. Diese Feste wie Weihnachten oder gerade eben Ostern feiern alle mit, auch die Atheisten und die, die das Kreuz aus den Klassenzimmern verbannen wollen.

Nein, Religion ist nicht privat, sie ist öffentlich und wir tun gut daran, sie nicht für uns selbst zur Privatsache zu machen. Denn wer, wenn nicht wir, ist dazu berufen, über Religion auch in der Öffentlichkeit zu sprechen? Daher heiligen wir Gottes Namen, wenn wir von ihm auch und vor allem in der Öffentlichkeit sprechen und uns zu ihm bekennen. Oder anders: Wenn Jahwe uns etwas bedeutet, dann werden wir von ihm sprechen. Denn was uns wichtig ist, davon spricht man gerne. Oder biblisch mit Mt 12,34 formuliert: „Wes das Herz voll ist, des geht der Mund über.“

 

Dabei gilt es aber zu beachten: Dieses öffentliche Reden von Gott muss unbedingt mit Respekt für Andersdenkende einhergehen. Es ist ok, wenn jemand etwas anderes glaubt als ich. Ich muss ihn nicht mit Gewalt davon überzeugen, dass mein Gott oder meine „Version“ des Christentums der einzige und vor allem richtige und wahre, ist. Durch Diskussion und Vorleben wird aber das Evangelium ausstrahlen. Den Rest macht der Heilige Geist. Er braucht aber uns, um seine Wirkung zu entfalten, denn wir sind ja das Salz der Erde.

 

Liebe Gemeinde, das ist alles Theorie. Wie aber kann man das praktisch umsetzen: Ganz einfach: Fragen Sie einmal ihren Gesprächspartner aus heiterem Himmel heraus: „Glaubst du eigentlich an Gott?“. Dann kommt sicher ein interessantes Gespräch heraus. Und als weitere Frage dann: „Was bedeutet das für dich, dass du glaubst bzw. das du nicht glaubst?“. Sie werden sicher interessante Gespräche haben; jedenfalls interessantere als über das Wetter.

Und so ganz nebenbei heiligen Sie den Namen Gottes.

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