Ansprache zur Taufe von 3 Asylwerbern
3. Februar 2019

Ansprache zur Taufe von 3 Asylwerbern

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Dienstart:

Liebe Schwestern und Brüder, liebe Gemeinde,

so sind wir heute hier zusammen und feiern neuerlich Taufen von Asylwerbern. Für die Statistiker unter ihnen: Es sind dies die Taufen Nr. 41, 42 und 43, insgesamt haben wir daher seit dem 11. September 2016 33 Iraner, 6 Afghanen und 4 Iraker getauft. Wie das ganze Prozedere bis zur Taufe von Statten geht, habe ich an dieser Stelle schon mehrfach ausgeführt und um Wiederholungen zu vermeiden, unterlasse ich das heute.

Die schiere Anzahl von 43 Taufen in nicht einmal 2 ½ Jahren macht uns eigentlich etwas bewusst bzw. provoziert einige interessante Fragen:

  • Wenn wir alle Kinder Gottes sind, wenn wir der Schrift vertrauen können und alle Menschen als Ebenbild Gottes geschaffen sind, warum lassen sich dann Menschen taufen?
  • Liebt Gott nicht jeden Menschen, egal, ob er getauft ist oder nicht?
  • Ist die Taufe denn wirklich nötig?

 

Gute und wichtige Fragen. Gleich vorweg: Ja, Gott liebt jeden Menschen und sagt ihm zu, bei ihm zu sein, komme, was wolle. Jeden Menschen!

 

Die Taufe aber, die Taufe ist die sichtbare und durch das Wasser auch fühlbare Zusage Gottes, die uns mit Tod und Auferstehung Jesu verbindet. Die Taufe ist die symbolische Wiederholung des Osterereignisses: So wie Jesus am „Karfreitag“ in den Tod gegangen ist, so werden wir in der Taufe in seinen Tod hineingenommen: Das Wasser bei der Taufe, das symbolisch für das komplette Untertauchen steht, lässt dies sinnbildlich werden. Genau das ist der Moment, an dem der Wechsel passiert. So wie man mit dem Tod das Leben hinter sich lässt, so lässt man mit dem Beträufeln im Rahmen der Taufe das alte Leben hinter sich. Das alte stirbt, wird abgewaschen. Etwas Neues beginnt, Jesus verbindet uns mit Gott, wir schütten mit ihm den Graben zu, der uns von unserem Herrn trennt. Nach der Taufe dürfen wir frei sein, um Gott ohne Altlasten zu begegnen. Ein neues Leben beginnt. Wir tragen dann sozusagen neue, frische Kleider.

 

Das ist theologisch richtig. Doch wir leben auch in dieser Welt und nach der Taufe ist man nicht gleich ein neuer Mensch, der alles anders sieht und der von den Menschen um einen herum anders gesehen wird. Das geschieht. Aber nicht von heute auf morgen, denn für unseren irdischen Lebensweg ist der Zeitpunkt der Taufe der Startpunkt unserer Lebensrallye mit Gott. Der Beginn einer Reise, der ein verändertes Leben zur Folge haben sollte. Die Taufe begründet also einen lebenslangen Prozess der Veränderung in das Vorbild Jesu.

 

Und schon wieder. Es ist zum Haareraufen! Steht man hier heroben, verfällt man immer wieder in die Fachsprache. Was bedeutet das, ein Leben nach dem Vorbild Jesu zu führen?

Es geht dabei um ein neues Verhalten, ein neues Gefühl, eine neue Einstellung nicht nur zum Leben, sondern auch zu den Anderen, zu den Menschen um uns herum. Um mit Martin Luther zu sprechen, es geht darum, was „Christum treibet“ und das ist die Verdichtung der vielen tausend Worte der Bibel auf ein einziges Wort: LIEBE. Die Liebe zu mir selbst und zu anderen, die ich schon in der Gemeinde einüben kann. Die Gemeinde ist sozusagen die Schule, in der ich mich geistlich reif für mein Leben machen kann, um diese Liebe dann im größeren Stil zu leben. Ausdruck dessen sind Akzeptanz, einander Ertragen und Vergeben, Demut, Güte, Sanftmut, Langmut und Erbarmen.

Und da sind wir schon wieder bei so schönen theologisch geprägten Worten, die wir zwar kennen, aber deren Bedeutung sich uns oft nur schwer erschließt. Ich versuche das ein wenig zu „übersetzen“. Es bedeutet nämlich:

  • Ich nehme den anderen bewusst wahr. Ich höre ihm zu, ich interessiere mich für ihn, ich versuche, ihn durch Jesu Brille zu betrachten. Ich frage mich, was ich für ihn tun kann. Aber auch, was er für mich tun könnte, für welche Aufgaben ist er geeignet? Wie kann ich ihn teilhaben lassen?
  • Ich achte auf den anderen. Ich helfe ihm, an Jesus dranzubleiben, ermutige in Krisenzeiten, frage nach und bete für ihn. Unsere neuen Getauften, die noch wie Kinder im Glauben heranwachsen, begleite ich, frage nach ihrem Ergehen, freue mich über Begegnungen und bin da, wenn sie Hilfe brauchen. Nur ich? Nein, wir alle sollten es tun!
  • Dabei ist es wichtig, sie eigene Erfahrungen machen zu lassen, ihren je eigenen Standpunkt zu akzeptieren, sie nicht zu sehr zu „bemuttern“, sondern sie für ein Leben in Freiheit und Verantwortung bereit zu machen. Was wir tun müssen, ist nicht aus ihnen eine Kopie von mir oder uns zu machen, sondern ihnen zu helfen, gut fundierte Entscheidungen zu treffen, damit sie bereit für ihr Leben sind.
  • Ich lasse auf mich achten. Denn auch ich brauche jemand, der nach mir schaut, weil auch ich ja noch nicht perfekt bin. Wie gut, wenn mir jemand zur Seite steht, wenn mich Zweifel packen, wenn die Welt wieder einmal dunkel wird. Wie befreiend, wenn da jemand ist, mit dem ich offen reden kann und weiß, dass er mir zuhört, für mich betet und an meiner Seite bleibt, auch in unruhiger See.
  • Ich nehme dich an, wie du mich annimmst. Sind wir in Christus geeint, gibt es keine sozialen oder sonstigen Grenzen mehr. Die Ähnlichkeit mit Jesus überstrahlt alle Unterschiede.

Die Taufe ist also vor der Gemeinde ein äußerlich sichtbares Zeichen unserer Verbundenheit mit Jesus. Man streift sozusagen die alte Kleidung ab und legt eine neue an. Es kommt aber nicht auf Äußerlichkeiten an, sondern auf die innere Überzeugung, auf das Herz, das uns leitet und unsere Entscheidungen beeinflusst.

 

Heute werden wir also drei junge Männer taufen und sie zu Mitgliedern unserer Gemeinde und unserer Kirche machen. Jesus überreicht ihnen ein neues Kleid, das Kleid der Liebe. Wir als Gemeinde und auch die Patin wollen ihnen tatkräftig helfen, dass sie ihren neuen Weg, den sie heute zu gehen beginnen, gut gehen und das Leben als Christen genießen können. Wir alle sollten mithelfen, dass sie gerne Christen sind und ein Leben in der freudigen und befreienden Nachfolge unseres Herrn führen. Die Voraussetzung dafür ist, dass auch wir diesen Weg gerne gehen und dass auch wir der Liebe Gottes in unserem Leben vielfältig Raum geben.

Friedensgruß

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

 

Und so darf ich Ihnen nun die Täuflinge vorstellen:

N., ursprünglich aus AFG, jetzt aus Köflach, sein Taufname ist Philipp, sein Taufspruch lautet: „Ich freue mich im Herrn, und meine Seele ist fröhlich in meinem Gott.“ Jes 61,10

F., auch aus Köflach, fand den weiten Weg aus dem Iran zu uns. Sein Taufname ist Simon. Als Taufspruch wählt er Mk 16,16: „Wer da glaubt und getauft wird, der wird selig werden; wer aber nicht glaubt, der wird verdammt werden.

Und schließlich der Afghane Sa.aus Rosental, der sich den Taufnahmen David und als Taufspruch Joh 16,22 wählte: „Euer Herz soll sich freuen, und eure Freude soll niemand von euch nehmen.“ Er wird begleitet von seiner Taufpatin D.

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