11. Dezember 2016 ()

Bible Text: Lk 3,1-14 |

Series:

Predigt am 3. Adventsonntag, 11.12.2016
Lektor Mag. Dietmar Böhmer
Gustav-Adolf-Kirche Voitsberg

 

„Glaube. Konkret!“

 

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus, die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen.

Amen.

 

 

Liebe Schwestern und Brüder, liebe Gemeinde!

 

Am vergangenen Sonntag haben wir von falschen Propheten gehört, die die Welt mit ihren Schreckensszenarien verunsichern und für sich und ihre heillose Zukunft gewinnen wollen.

 

Heute hören wir einen wahren Propheten. Von Johannes dem Täufer. Jedoch scheint sich seine Botschaft wenig von der der anderen zu unterscheiden. Johannes hat wenig Erfreuliches zu sagen. Im Gegenteil: Seine Worte, die auf den kommenden Messias, also auf unseren Herrn Jesus Christus, hinweisen wollen, sind alles andere als „froh“. Diese Worte sind kein Evangelium, keine frohe Botschaft! Denn wer zu Johannes kommt, muss sich erst einmal beschimpfen lassen. Und wen das nicht abschreckt, der bekommt einen Aufgabenkatalog mit auf den Weg, ohne den zu erfüllen man sich keine Hoffnung auf die Rettung vor der Axt machen kann. Hören wir also den heutigen Predigttext, aufgeschrieben in Lk 3,1–14:

 

1 Im fünfzehnten Jahr der Herrschaft des Kaisers Tiberius, als Pontius Pilatus Statthalter in Judäa war und Herodes Landesfürst von Galiläa und sein Bruder Philippus Landesfürst von Ituräa und der Landschaft Trachonitis und Lysanias Landesfürst von Abilene, 2 als Hannas und Kaiphas Hohepriester waren, da geschah das Wort Gottes zu Johannes, dem Sohn des Zacharias, in der Wüste. 3 Und er kam in die ganze Gegend um den Jordan und predigte die Taufe der Buße zur Vergebung der Sünden, 4 wie geschrieben steht im Buch der Worte des Propheten Jesaja (Jesaja 40,3-5): »Es ist eine Stimme eines Predigers in der Wüste: Bereitet den Weg des Herrn, macht seine Steige eben! 5 Alle Täler sollen erhöht werden, und alle Berge und Hügel sollen erniedrigt werden; und was krumm ist, soll gerade werden, und was uneben ist, soll ebener Weg werden, 6 und alles Fleisch wird das Heil Gottes sehen.« 7 Da sprach Johannes zu der Menge, die hinausging, um sich von ihm taufen zu lassen: Ihr Otterngezücht, wer hat euch gewiss gemacht, dass ihr dem künftigen Zorn entrinnen werdet? 8 Seht zu, bringt rechtschaffene Früchte der Buße; und nehmt euch nicht vor zu sagen: Wir haben Abraham zum Vater. Denn ich sage euch: Gott kann dem Abraham aus diesen Steinen Kinder erwecken. 9 Es ist schon die Axt den Bäumen an die Wurzel gelegt; jeder Baum, der nicht gute Frucht bringt, wird abgehauen und ins Feuer geworfen. 10 Und die Menge fragte ihn und sprach: Was sollen wir nun tun? 11 Er antwortete aber und sprach zu ihnen: Wer zwei Hemden hat, der gebe dem, der keines hat; und wer Speise hat, tue ebenso. 12 Es kamen aber auch Zöllner, um sich taufen zu lassen, und sprachen zu ihm: Meister, was sollen denn wir tun? 13 Er sprach zu ihnen: Fordert nicht mehr, als euch vorgeschrieben ist! 14 Da fragten ihn auch Soldaten und sprachen: Was sollen denn wir tun? Und er sprach zu ihnen: Tut niemandem Gewalt noch Unrecht und lasst euch genügen an eurem Sold!

 

Herr, lass uns Dein Wort annehmen und unser Denken und Handeln beeinflussen. Amen.

 

Wie kann man Gut und Böse, Richtig und Falsch voneinander unterscheiden? Wie die richtige Entscheidung treffen? Ja, das ist nicht immer leicht. Schon gar nicht, wenn man die Bösen nicht mit den Guten verwechseln will. Manchmal sind es nur Nuancen, die den Unterschied ausmachen. Und auch die sind manchmal schwer zu erkennen. Wir erleben eine solche Verunsicherung seit einigen Monaten in Europa und den USA. Populistische Parteien und Politiker profitieren von einer komplizierter werdenden Gesellschaft, die sich nach einfachen, allgemeinen Floskeln sehnt. Und diese Floskeln, diese Antworten, scheinen für sich betrachtet aufs Erste einmal unverfänglich. Doch – wie so oft – steckt der sprichwörtliche Teufel im Detail, hier besser: in der effektiven Ausgestaltung. Wer dann noch genau hinhört, merkt sehr schnell, dass viele Forderungen fragwürdig, manche Äußerungen gänzlich indiskutabel sind. Wie so oft, wird das Volk verführt im Namen des „gesunden Volksempfindens“. Doch war das gesunde Volksempfinden nicht auch das Gießen des Goldenen Kalbs während Mose die Gebote erhielt? Und was passiert dann mit dem Volk?

 

Wir müssen feststellen, dass wir mittlerweile in einer Welt leben, die scheinbar jeden Bereich des Lebens auf seinen Kosten-Nutzen-Faktor hin überprüft. Immer mehr Menschen stellen sich vor einer Handlung eine einfache Frage: „Was habe ich davon“. Es wird ein konkreter Nutzen entweder fürs Geldbörsel oder die Karriere erwartet. Ist das nicht gegeben, dann macht man dies oder jenes nicht. Habe ich nichts von einer Handlung, dann setze ich sie nicht.

Am Donnerstag habe ich in einer TV-Sendung eine interessante Aussage der sehr erfolgreichen französischen Sängerin Patricia Kaas gehört, die das Dilemma gut zusammenfasst. Sie ist eines von 7 Kindern einer deutschen Hausfrau und eines französischen Bergmannes und wurde eben erst 50 Jahre alt. Sie sagte sinngemäß: Früher hatten wir nichts bis wenig und hatten nicht den Eindruck, dass uns etwas fehlt. Heute hingegen haben wir so unermesslich viel und meinen doch immer zu wenig zu haben.

 

Viel haben und doch zu wenig haben. Angst davor, etwas zu verlieren. Oder frei nach dem zweiten ökonomischen Grundsatz: Mehr ist besser. Und alles muss berechenbar sein, in Zahlen ausdrückbar, damit ich wissen kann, was ICH davon habe, wenn ich etwas tue.

 

Selbst unsere Kirche scheint sich dem nicht entziehen zu können oder zu wollen. Zahlen spielen eine immer gewichtigere Rolle, machbar erscheint nur noch, was sich rechnet. Es muss sich ja auch finanzieren lassen. Etwas zu tun, weil man es für richtig hält, auch wenn man persönliche Nachteile dafür und vor allem keinen wie auch immer gearteten Vorteil erhält, ist wenig modern. Ehrenamtliches Engagement geht überall zurück. In Vereinen, Organisationen und selbst in den Kirchen unseres Landes. Es gibt immer weniger Nischen, die sich diesem Mechanismus widersetzen.

Viele Menschen gehen von der Kosten-Nutzen-Rechnung zwar ab, wenn es die eigene Familie betrifft, aber beim Nächsten? Da wird schon überlegt, ob es mir etwas bringt, ihm zu helfen. Man macht einen Unterschied zwischen privatem und öffentlichem Bereich.

 

Schon zu Zeiten des Täufers spielten Besitz und Geld eine herausragende Rolle. Auch ihm brannte die soziale Frage unter den Nägeln. So verknüpft er die Ankunft des ersehnten Messias mit ganz konkreten Forderungen: Hilf den Bedürftigen und beute andere nicht aus. Er touchiert dabei sowohl das Verhalten im Privatbereich als auch bei der Ausübung des Berufs, hier vor allem jene, die scheinbar öfter in Konflikt mit einem moralisch verantwortbaren Verhalten geraten.

 

Johannes war DER Umkehrprediger, der die Menschen eben zur Umkehr, zur Buße aufrief. Umkehr ist für Johannes daher mehr als nur ein Lippenbekenntnis. Wer die Konsequenzen nicht zieht, kann sich darauf nicht mehr berufen, genauso wenig wie auf die eigene Herkunft als Teil des auserwählten Gottesvolkes.

Und so lesen wir in den VV 7–9 des Predigttextes:

7 Da sprach Johannes zu der Menge, die hinausging, um sich von ihm taufen zu lassen: Ihr Otterngezücht, wer hat euch gewiss gemacht, dass ihr dem künftigen Zorn entrinnen werdet? 8 Seht zu, bringt rechtschaffene Früchte der Buße; und nehmt euch nicht vor zu sagen: Wir haben Abraham zum Vater. Denn ich sage euch: Gott kann dem Abraham aus diesen Steinen Kinder erwecken. 9 Es ist schon die Axt den Bäumen an die Wurzel gelegt; jeder Baum, der nicht gute Frucht bringt, wird abgehauen und ins Feuer geworfen.

 

Uns sollten seine Worte zu denken geben! … Denn sie sagen uns, dass es für uns Christen keinen privaten und öffentlichen Bereich gibt, in dem wir unterschiedliche Maßstäbe für unser Handeln zugrunde legen können. Der Glaube ist eben keine Privatsache, wie es behauptet wird. Glaube verändert. Uns und unsere Umwelt! Glaube bedeutet nach Johannes auch und vor allem Umkehr. Unser Glaube will konkret gelebt werden: zu Hause, am Arbeitsplatz, in der Kirche, in der Politik … Sicher wird es uns hier leichter und dort schwerer fallen, den Ansprüchen des Täufers gerecht zu werden. Das sollte uns aber nicht davor abhalten, es wenigstens zu versuchen!

 

Ein Wort sticht hier in Vers 8 aber besonders heraus: Buße. Aber was meint Johannes mit der Buße? Es ist nicht das katholische Verständnis von Strafe damit gemeint. Sondern die Umkehr. Eben das Umkehren, das Ändern von Verhalten und Unterlassungen, also eine Verhaltensänderung. Und die Früchte dieser Buße, diese Verhaltensänderungen sind nicht nur Willensbekundungen („Ach Herr, ich will dies und das nicht mehr tun“), sondern eine bewusste Entscheidung Dinge nun anders zu TUN. Ganz konkret. Glaube konkret eben: Das bewusste Andersmachen von Dingen.

 

Das Urteil des Johannes ist beinhart. Die Axt ist schon am Baum angelegt. Wir haben nur noch einen kurzen Augenblick, um umzukehren, um uns zu bessern, um die Fehler zu korrigieren.

Glücklicherweise können wir als Christen aber auf ein milderes Urteil hoffen, als es Johannes angekündigt hat. Das verdanken wir schließlich dem, den der Täufer angekündigt hat: Jesus von Nazareth. Jesus hat die Botschaft von der Umkehr zwar aufgenommen, aber er hat sie anders pointiert: Er predigte nicht die Nähe der Axt, sondern das Kommen des Himmelreiches. Johannes der Täufer war sich wohl selbst nicht so sicher, ob es denn nun dieser Zimmermann war, auf den er hingewiesen hatte. Durch seine Jünger ließ er ihn fragen. Die Antwort spricht für sich:

Und Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Geht hin und berichtet dem Johannes, was ihr hört und seht: 5 Blinde werden sehend und Lahme gehen, Aussätzige werden rein und Taube hören, Tote werden auferweckt, und Armen wird das Evangelium verkündigt. 6 Und glückselig ist, wer nicht Anstoß nimmt an mir!(Mt 11,4–6)

 

Johannes gibt uns am Schluss noch einen Hinweis darauf, wie wir unser Leben gestalten sollen:

Da fragten ihn auch Soldaten und sprachen: Was sollen denn wir tun? Und er sprach zu ihnen: Tut niemandem Gewalt noch Unrecht und lasst euch genügen an eurem Sold! (Lk 3,14)

 

Entscheidend ist das TUN. Gewaltlosigkeit, Rechtschaffenheit und Genügsamkeit. Früchte der Buße. Früchte des konkreten Glaubens. Wie anders klingt das doch als so vieles in unserer Zeit …

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

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